2026 © Sichtbare Worte
Wenn ich an meine Kindheit denke, spielt der Esstisch in unserem Haus eine wichtige Rolle. Dort sassen neben meinen Eltern und uns vier Geschwistern sehr oft auch Gäste, die jederzeit willkommen waren. Mit grosser Begeisterung wurde gegessen, getrunken, erzählt, zugehört, gelacht, wahrgenommen und mitgeteilt. Das Zusammensein war uns allen sehr wichtig. Vielleicht entstand damals mein grosses Interesse an der Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizieren.
Als junge Erwachsene habe ich viel Zeit in Asien und Südamerika verbracht. Während den oft monatelangen Aufenthalten traf ich in meinen Gastfamilien immer wieder auf Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung. Der Umgang mit deren Sprache und Kultur, wie auch die gesellschaftlichen Unterschiede haben mich tief beeindruckt und in meiner beruflichen Entwicklung wesentlich geprägt.
Zurück in der Schweiz, fing ich an die Gebärdensprache zu lernen und arbeitete zeitgleich in einer Spielgruppe für gehörlose Kinder, um die Gebärdensprache im Alltag anzuwenden und zu vertiefen. Schnell stand die Entscheidung fest, dass ich das Studium zur Gebärdensprachdolmetscherin beginnen möchte. Nach Abschluss meines Studiums habe ich mehrere Jahre in einem Schulprojekt als Dolmetscherin gearbeitet.
Bei all meinen beruflichen Tätigkeiten, wie zum Beispiel dem Aufbau, dem Betrieb und der Leitung eines Gastronomie- und Eventunternehmens, der Mitarbeit in der Familienentlastung des Schweizerischen Roten Kreuzes oder als Kursleiterin für Babyzeichensprache, war ich mir der Wichtigkeit der achtsamen Kommunikation sehr bewusst.
Im Laufe der Jahre hat sich der Schwerpunkt meiner Arbeit verändert. Neben dem Dolmetschen der Gebärdensprache wird die unterstützte Kommunikation mit jeder Begleitung, die ich mache, wichtiger. Mitzuerleben, wie Menschen neu oder wieder einen aktiven Teil der Kommunikation übernehmen ist für mich sehr erfüllend.
Auch heute ist der Esstisch in unserem Haus und die dazugehörende Küche ein wichtiger Ort für mich. Ich liebe es Brot zu backen, Kräuter und Blüten zu trocknen, Marmeladen und Chutneys einzukochen und damit neue und alte Gerichte zu zaubern. Und wenn ich all dies bei einem guten Gespräch mit meinem Mann, meiner Familie oder meinen Freunden machen kann, ist mein Glück perfekt.